In kleinen Schritten zur Ernährungsanpassung

Wie wir unserem Autopiloten helfen können bessere Ernährungsentscheidungen zu treffen/unsere Ernährung anzupassen.

Warum scheitern Ernährungsumstellungen oder unsere Neujahrsvorsätze langfristig so häufig? Um unsere Ernährungsgewohnheiten und unseren Lebensstil zu verbessern, brauchen wir natürlich immer die nötigen Hintergrundinformationen was eine gesunde Ernährung überhaupt alles umfasst. Diese Informationen bilden die Basis anhand welcher wir unser Verhalten anpassen können, beispielsweise welche Lebensmittel beim nächsten Einkauf in unserem Korb landen. Dieses Wissen reicht aber leider meistens noch nicht aus! Eine Verhaltensänderung wird maßgeblich davon beeinflusst, wie wir Menschen Informationen verarbeiten und Entscheidungen treffen.

Schnelles Denken vs. langsames Denken

Lange wurde davon ausgegangen, dass unsere Kaufentscheidungen im Supermarkt auf rationalen Informationen basieren. Der amerikanische Psychologe und Nobelpreisträger Daniel Kahneman hat ein Modell aufgestellt welches  zwei Entscheidungsprozesse unterscheidet. Demnach haben wir ein schnelles Entscheidungssystem, welches Informationen spontan auf emotionaler Basis verarbeitet, sozusagen unseren „Autopiloten“. Über diesen Weg werden ca. 95 % unserer Entscheidungen getroffen. Das zweite System arbeitet systematisch und rational auf der Basis objektiver Informationen. Damit braucht es für eine Entscheidung deutlich länger und ist mit größerer mentaler Anstrengung verbunden. System 1 macht aus unserer Wahrnehmung äußerer Eindrücke und Emotionen jedoch auch Vorschläge an System 2, sodass scheinbar bewusste Entscheidungen in großen Teilen auch intuitiv gesteuert werden. (1)

Um eine Verhaltensänderung zu erzielen, müssen also bewusste Entscheidungen mittels dem zweiten Entscheidungssystem getroffen werden. Das bewusste Abwägen und Einordnen der Informationen führt jedoch schnell zur psychischen Ermüdung und der Autopilot springt ein, übernimmt den Prozess und führt uns zu einer intuitiven, routinierten Entscheidung zurück. Für eine umfassende Ernährungsumstellung unsere Gewohnheiten abzulegen wird somit durch unseren vorgeschalteten Autopiloten schwieriger.

Gerade bei alltäglichen Entscheidungen spielen Intuition und Routine eine große Rolle. Außerdem wird der kurzfristige Nutzen bei einer Entscheidung generell zunächst stärker gewichtet als ein möglicher langfristiger Nutzen. So entscheiden wir uns beispielsweise beim Einkaufen unterbewusst immer für die gleichen Produktarten. Ein weiterer wichtiger Aspekt der unterbewusst unsere Entscheidungen beeinflusst ist unsere Wahrnehmung. Untersuchungen zu Produktauswahl im Supermarkt haben beispielsweise gezeigt, dass Testpersonen die meiste Zeit ihres Entscheidungsprozesses mit den Bildern auf den verschiedenen Verpackungen verbrachten und deutlich weniger mit objektiven Informationen, wie Zutatenverzeichnis oder Nährwerten. Die emotionalen Details, welche von unserem Autopiloten intuitiv verarbeitet werden, hatten also einen größeren Effekt bei der Entscheidung für ein Produkt. (4)

Wie unsere Entscheidungen von außen beeinflusst werden

Alle unsere Entscheidungen können mit verschiedenen psychologischen Methoden, wie dem sogenannten „Nudging“ und „Framing“, gelenkt werden. Hierbei werden unsere Wahrnehmung und somit unsere intuitive Entscheidung zu beeinflusst.

Das Nudging, also „Anstupsen“, ist ein Prinzip aus der Verhaltenspsychologie welches die positive Beeinflussung des Verhaltens und der Entscheidungen von Personen mit kleinen, gezielten Impulsen beschreibt. Es beruht darauf, dass Personen ihre Wahl weiterhin völlig frei treffen können, jedoch wird das gewünschte Verhalten besonders attraktiv dargestellt. Somit wird die Person „angestupst“ sich für diese Option zu entscheiden.

Das Framing ist ein Phänomen aus der Psychologie welches sich auf unsere Wahrnehmung bezieht. Jeder Mensch nimmt bestimmte Aspekte seiner Umgebung deutlicher wahr und blendet gleichzeitig andere aus. Dies geschieht automatisch. Das Prinzip des Framing nutzt diese Tatsache aus. Durch die gezielte Präsentation eines Produktes, wird unsere Reaktion darauf beeinflusst. Dabei hat sich gezeigt, dass wir auf positive Formulierungen eher ansprechen als auf negative. Ein Beispiel sind Werbeslogans wie z.B. „9 von 10 Kunden lieben dieses Produkt“. Ohne das Produkt zu verändern, führt ein solcher Werbeslogans dazu, dass dieses Produkt für uns verlockend klingt und wir es einem anderen vorziehen würden. Somit kann durch Veränderung der Präsentation eines Produkts unsere Wahrnehmung beeinflusst und eine unterbewusst, intuitiv getroffene Entscheidung für dieses Produkt begünstigt werden (7,8)

Für eine nachhaltige Veränderung unseres Ernährungsverhaltens bedeutet dies, dass wir unsere Entscheidungen bewusster treffen müssen! Hierfür müssen wir unsere Entscheidungsprozesse verlangsamen, um Zeit zum Abwägen der Informationen zu gewinnen und die routinierten Entscheidungen unseres Autopiloten zu umgehen. Außerdem ist es wichtig unsere eigenen Gewohnheiten und Verhaltensmuster bewusst wahrzunehmen. Freunde und Familie können uns mit ihren Beobachtungen dabei unterstützen. Schrittweise, kleinere Anpassungen die leichter in den Alltag integriert werden können, können uns dabei helfen, zu verhindern in gewohnte Verhaltensweisen zurückzufallen. Klare Ziele zu formulieren und sich die Vorteile der Verhaltensänderung bewusst zu machen kann helfen Motivation für diese Veränderungen zu schaffen. Um sich zu motivieren kann es auch helfen gemachte Fortschritte schriftlich in einem Tagebuch oder Blog festzuhalten.

MillionFriends kann dir dabei helfen. Auf Basis der eigenen Blutzuckerreaktion auf deine Lieblingsmahlzeiten erhältst du eine Auswertung, welche dir zeigt wie du mit ganz einfachen kleinen Anpassungen deiner gewohnten Lieblingsmahlzeiten deine Ernährung verbessern und mehr Achtsamkeit schaffen kannst.

War dieser Artikel hilfreich?

Referenzen

  1. Daniel Kahneman, Schnelles Denken, langsames Denken, 2012
  2. Kahneman D. QnAs with Daniel Kahneman. Proc Natl Acad Sci U S A. 2013;110(34):13696. doi:10.1073/pnas.1314455110
  3. James C Hersey, Kelly C Wohlgenant, Joanne E Arsenault, Katherine M Kosa, Mary K Muth, Effects of front-of-package and shelf nutrition labeling systems on consumers, Nutrition Reviews, Volume 71, Issue 1, 1 January 2013, Pages 1–14, https://doi.org/10.1111/nure.12000
  4. https://t0cdd558a.emailsys2b.net/mailing/50/4907035/24131063/215/64c356700b/index.html
  5. https://psylex.de/psychologie-lexikon/verhalten/nudging/
  6. https://www.ernaehrungs-umschau.de/print-artikel/12-01-2022-ernaehrungsverhalten-anstupsen/
  7. https://www.spektrum.de/news/wie-maechtig-framing-wirklich-ist/1627094
  8. https://medlexi.de/Framing-Effekt
  9. https://www.ugb.de/gesundheitsfoerderung/lebensstil-veraenderung-braucht-ziele/
Über den Autor
Kristian Ewald

Kristian Ewald

Kristian ist als promovierter Mediziner und Wissenschaftler seit 2021 Teil des Forschungs- und Entwicklungsteam bei Perfood. Er bringt viel wissenschaftliche Erfahrung aus dem Bereich der klinischen Forschung mit und verknüpft dieses Wissen gerne mit neuen Erkenntnissen aus fundierten, evidenzbasierten Studien. Damit ihr eure Ernährung optimieren und euren Körper besser verstehen könnt, teilt er dieses Wissen in Beiträgen mit euch.

Bleib auf dem Laufenden

Melde dich bei unserem Newsletter an und erhalte ein E-Book gratis

Mach jetzt den Test und erfahre, ob MillionFriends zu dir passt:

Kategorien

Beitrag teilen

Share on whatsapp
Share on twitter
Share on linkedin
Share on facebook
Share on pinterest