Mit der Kraft der Sonne dem Diabetes vorbeugen

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Ein Spaziergang an der frischen Luft machen oder einfach nur während der Mittagspause in der Sonne sitzen. Beides klingt recht banal, kann aber maßgeblich zu unserer Gesundheit beitragen und sogar helfen, den Blutzuckerspiegel zu kontrollieren. Wie das sein kann? Sonnenlicht ist nicht nur wunderschön und wärmend, sondern wird von unserem Körper auch noch dringend benötigt. Durch das UV-Licht kann in der Haut nämlich Vitamin D hergestellt werden. Und dieser Nährstoff wird von unserem Körper für wichtige Stoffwechselprozesse benötigt.

Vitamin D – ein wichtiger Nährstoff

Vitamin D ist in vielerlei Hinsicht ein bemerkenswerter und wichtiger Nährstoff. Im Gegensatz zu den anderen Vitaminen und Mineralstoffen nehmen wir nur 20 % über die Nahrung zu uns. Die anderen 80 % kann der Körper durch Stoffwechselreaktionen in der Haut selber herstellen.1 Dafür wird allerdings etwas ganz bestimmtes benötigt: die UV-Strahlung der Sonne. Die im Körper hergestellten Vorstufen können so über diverse Schritte in aktives Vitamin D3 – das sogenannte Cacitriol – umgewandelt werden. Calcitriol ist ein Hormon, das unter anderem einen großen Einfluss auf unsere Knochengesundheit, das Immunsystem und auch auf den Blutzucker hat.1

Wie die Sonne unseren Blutzucker beeinflusst

Ein Mangel an Vitamin D kann die Funktionen unserer Zellen negativ beeinträchtigen.2 Besonders die Bauchspeicheldrüse ist davon betroffen. In den Zellen der Bauchspeicheldrüse wird Insulin produziert, welches im Zusammenhang mit Diabetes Typ 2 besonders viel Bedeutung hat.

Haben wir einen Vitamin D Mangel, können die Zellen der Bauchspeicheldrüse deutlich weniger Insulin produzieren. Das heißt, ein Mangel fördert über lange Sicht die Entstehung eines Insulinmangels und einer Insulinresistenz, was wiederum über lange Sicht zu der Entstehung von Diabetes Typ 2 führt.1,2,3,4 Durch diesen Zusammenhang kann also letztendlich ausreichend Sonnenlicht dazu beitragen, dass keine Insulinresistenz entsteht und unsere Blutzuckerwerte in einem nicht-diabetischen Bereich bleiben.

Hinzu kommt noch, dass ein Mangel an Vitamin D einen Mangel des Enzyms LPL (Lipoproteinlipase) hervorruft. Dieses Enzym spielt eine wichtige Rolle im Fettstoffwechsel: haben wir einen Mangel an LPL, führt das zu höheren Werten der gesundheitsschädlichen Triglyceride.2 Neben den Blutzuckerwerten verschlechtern sich also auch die Fettwerte.

Eine wissenschaftliche Studien mit Typ 2 Diabetikern zeigte, welche Relevanz Vitamin D im Zusammenhang mit der Erkrankung hat: nachdem die Teilnehmer*innen 18 Monate regelmäßig Vitamin D Präparate eingenommen hatten, verbesserte sich die Funktionsleistung der Zellen der Bauchspeicheldrüse. Die Zellen konnten also wieder mehr Insulin produzieren, wodurch die Insulinresistenz zurückgeht. Zusätzlich verbesserten sich auch die Fettwerte im Blut. Die Werte des gesundheitsförderlichen HDL-Cholesterins erhöhten sich über die Zeit, während das gesundheitsschädliche LDL-Cholesterin weniger wurde.5

Neben den schlechteren Zucker- und Fettwerten führt Diabetes aber noch zu einer anderen Gefahr: der Knochenabbau wird verstärkt, was zu einem höheren Risiko von Osteoporose und Knochenbrüchen führt.6,7 Auch hier spielt Vitamin D eine zentrale Rolle: dieser Nährstoff wird nämlich benötigt, damit sich Kalzium in die Knochen einlagern kann und die Knochen stabiler werden. Haben wir einen Vitamin D Mangel in Kombination mit Diabetes, ist das also doppelt schlecht für unsere Knochen.7

Mangel gezielt vorbeugen

Wir halten fest: ein Vitamin D Mangel sollte unbedingt ausgeglichen werden, um die Gesundheit zu fördern. Anzeichen eines Mangels können Haarausfall, eine höhere Infektanfälligkeit oder Muskelschwäche und -schmerzen sein.8

Über die Nahrung können wir Vitamin D2 aufnehmen. Gute Quellen für Vitamin D2 sind:9

  • Fisch (z.B. Hering, Lachs, Makrele)

  • Hühnerei/ Eigelb

  • Pilze (z.B. Champignons, Pfifferlinge, Shiitake).

Die Aufnahme von Vitamin D2 aus der Nahrung reicht jedoch bei Weitem nicht aus, um den täglichen Bedarf zu decken. Ausschlaggebend ist hierfür die körpereigene Herstellung von Vitamin D3 durch Sonnenlicht.1 Dafür bietet es sich an, ab und zu einen Spaziergang in der Sonne zu unternehmen oder sich während der Mittagspause draußen in die Sonne zu setzen.

Doch was ist, wenn das alles nicht ausreicht, um den Mangel auszugleichen? Ein Vitamin D Mangel kann nämlich allein durch die geographische Lage oder die Jahreszeit zustande kommen. Je weniger die Sonne scheint, desto wahrscheinlicher ist ein Mangel.9 Befindet man zum Beispiel im Winter in Schweden, ist ein Mangel viel wahrscheinlicher als im Sommer in Italien. Aber auch bestimmte Krankheiten wie chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, Zöliakie und eine Niereninsuffizienz können einen Vitamin D Mangel begünstigen.10

Im Winter oder in Regionen, in denen generell wenig die Sonne scheint, kann daher die Einnahme von Vitamin D Präparaten sinnvoll sein. Doch hier ist Vorsicht geboten: Vitamin D kann in zu hohen Konzentrationen toxisch sein und den Kalziumspiegel gefährlich erhöhen.11 Am besten sollte man daher seinen Vitamin D Spiegel vom Arzt bestimmen lassen und erst danach gezielt Präparate einnehmen.

Positive Faktoren kombinieren

Diverse Studien zeigen, wie wichtig Sonnenlicht und Vitamin D für unsere Gesundheit sind. Aber damit noch nicht genug: Bewegung und Sport im Sonnenschein und an der frischen Luft haben natürlich noch viele weitere gesundheitliche Vorteile. Denn zusätzlich zu der körpereigenen Herstellung von Vitamin D trägt auch Bewegung dazu bei, den Blutzucker, die Fettwerte und den Blutdruck zu senken. Dadurch sinkt auch das Risiko für diverse Erkrankungen. Zusätzlich kann auch Stress wirksam reduziert werden und gute Laune bekommt man gratis dazu.

Aber aufgepasst: um das Hautkrebsrisiko nicht zu erhöhen, sollte man natürlich nicht ungeschützt in die Sonne gehen.

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Literaturverzeichnis:

[1] Szymczak-Pajor I, Drzewoski J, Sliwinska A. The Molecular Mechanisms by Which Vitamin D Prevents Insulin Resistance and Associated Disorders. Int J Mol Sci 2020; 21(18):6644. doi: 10.3390/ijms21186644

[2] Huang Y, Li X, Wang M et al. Lipoprotein lipase links vitamin D, insulin resistance, and type 2 diabetes: a cross-sectional epidemiological study. Cardiovasc Diabetol 2013; 12:17. doi: 10.1186/1475-2840-12-17

[3] McGill AT, Stewart JM, Lithander FE et al. Relationships of low serum vitamin D3 with anthropometry and markers of the metabolic syndrome and diabetes in overweight and obesity. Nutr J 2008; 7:4. doi: 10.1186/1475-2891-7-4

[4] Li X, Liu Y, Zheng Y et al. The Effect of Vitamin D Supplementation on Glycemic Control in Type 2 Diabetes Patients: A Systematic Review and Meta-Analysis. Nutrients 2018; 10(3):375. doi: 10.3390/nu10030375

[5] Al-Daghri NM, Alkharfy KM, Al-Othman A, et al. Vitamin D supplementation as an adjuvant therapy for patients with T2DM: an 18-month prospective interventional study. Cardiovascular diabetol. 2012; 11:85. doi: 10.1186/1475-2840-11-85

[6] Rathinavelu S, Guidry-Elizondo C, Banu J. Molecular Modulation of Osteoblasts and Osteoclasts in Type 2 Diabetes. J Diabetes Res 2018; 2018:6354787. doi: 10.1155/2018/6354787

[7] Zhang J, Li Y, Lai D et al. Vitamin D Status Is Negatively Related to Insulin Resistance and Bone Turnover in Chinese Non-Osteoporosis Patients With Type 2 Diabetes: A Retrospective Cross-Section Research. Front Public Health 2022; 9:727132. doi: 10.3389/fpubh.2021.727132

[8] Kennel KA, Drake MT, Hurley DL. Vitamin D deficiency in adults: when to test and how to treat. Mayo Clin Proc 2010; 85(8):752-7. doi: 10.4065/mcp.2010.0138

[9] Holick FM, Binkley NC, Bischoff-Ferrari HA et al. Evaluation, treatment, and prevention of vitamin D deficiency: an Endocrine Society clinical practice guideline. J Clin Endocrinol Metab 2011; 96(7):1911-30. doi: 10.1210/jc.2011-0385

[10] Sahota O. Understanding vitamin D deficiency. Age Ageing 2014; 43(5):589-91. doi: 10.1093/ageing/afu104

[11] Marcinowska-Suchowierska E, Kupisz-Urbanska M, Łukaszkiewicz J et al. Vitamin D Toxicity–A Clinical Perspective. Front Endocrinol (Lausanne) 2018; 9:550. doi: 10.3389/fendo.2018.00550

Über die Autorin
Jasmin Ostermann

Jasmin Ostermann

Jasmin studiert im Master Nutritional Medicine und arbeitet seit Dezember 2021 als Werkstudentin bei Perfood. Durch ihr Studium hat sie erlebt, welchen großen Einfluss Ernährung auf die Gesundheit und die Lebensqualität der Menschen haben kann und dass einige Krankheiten durch Ernährung sogar geheilt werden können. Dadurch angetrieben, möchte sie ihr Wissen gerne mit euch teilen.

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